130.000€ vom Bund für die Stahlhut-Orgel in Herz Jesu

Orgel Herz Jesu (2020) (c) pfarreieigen Foto: Andreas Hoffmann
Orgel Herz Jesu (2020)
Fr 8. Mai 2020
Andreas Hoffmann

Die Stahlhut-Orgel in der Kirche Herz Jesu aus dem Jahr 1939 ist ein besonderes Instrument, welches einiges zu erzählen hat.

Gebaut im Jahr des Beginns des Zweiten Weltkriegs, den Sie trotz teils massiver Schäden an der Kirche nahezu unbeschadet überstanden hat, ist sie ein Klangdokument eines sich ändernden Zeitgeschmacks. Sie verbindet hochromantische Register mit der damals aufkommenden neobarocken Klangästhetik. Eine Kombination, die so in der Region als selten angesehen werden darf.

Weiterhin ist sie das vorletzte Instrument des damaligen Eigentümers der Firma Stahlhut Eduard Pelzer. Sein letztes Instrument steht in St. Fronleichnam. 1944 kam er bei einem Fliegerangriff ums Leben. Mit seinem Tod endete auch die Hochzeit der Firma Stahlhut, die damals internationalen Ruf genoss.

Orgel Herz Jesu (1939) (c) pfarreieigen
Orgel Herz Jesu (1939)

Im Jahr 1980 gab es eine grundlegende Renovierung, bei der leider die Ansicht der Orgel gravierend geändert wurde. Das Rückpositiv in der Emporenbrüstung wurde fast komplett neu gebaut, allerdings mit einem optisch unpassenden Gehäuse. Außerdem wurden aus heutiger Sicht minderwertige Materialien verbaut, die in absehbarer Zeit zu Problemen führen werden.

In letzter Zeit häufen sich nun vor allem elektrische Probleme an der Orgel. Die Elektrik geht teils auf das Erbauungsjahr zurück. Sie wurde seitdem allerdings immer nur repariert oder ergänzt, aber nie grundlegend Überarbeitet. Das macht sich heute durch z.B. Tonausfälle bemerkbar.

Weiterhin wurde in der Orgel Schimmelbefall entdeckt, der die Substanz des Instruments bedroht.

Hinzu kommen weitere Mängel, die etwa auf Materialermüdung zurückzuführen sind.

überalterte elektrische Schaltungen (c) pfarreigen
überalterte elektrische Schaltungen

Nachdem im Vergangen Jahr vom Bistum Aachen ein Förderprogramm für Elektrosanierungen aufgelegt wurde, gab es erste Überlegungen, die Orgel zu sanieren.

Anfang Februar wurde dann auch ein Denkmalschutzprogramm der Bundesregierung für historische Orgeln veröffentlicht. Mit dem Gutachten vom Orgelbausachverständigen des Bistums Bernd Godemann und einer groben Kostenschätzung durch die wartende Firma Orgelbau Weimbs (Hellenthal) konnte ein kurzfristiger Antrag über 50% der subtanzerhaltenden Restaurierungsmaßnahmen gestellt werden.

Angestrebt ist neben der notwendigen Sanierung auch eine Rekonstruktion des ursprünglichen Rückpositivgehäuses und somit die Wiederherstellung der ursprünglichen Ansicht der Orgel.

Schimmelbefall im Innern der Orgel (c) pfarreigen
Schimmelbefall im Innern der Orgel

In einem Schreiben von MbB Rudolf Henke (CDU) wurden wir in dieser Woche informiert, dass der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages insgesamt 130.000€ für die Restaurierung der Stahlhut-Orgel bewilligt hat. Zusammen mit der Förderung durch das Bistum und noch zu beantragender Mittel des Landes können nun gut zwei Drittel der Maßnahme durch Fördermittel realisiert werden.

Wir möchten als Pfarrei allen danken, die diesen Antrag so kurzfristig zum Erfolg geführt haben.

Im weiteren Verfahren werden nun Gespräche mit Orgelbauern geführt und Angebote eingeholt. Zu weiteren Details werden wir selbstverständlich weiter informieren.