Fest der Verklärung des Herrn Mt. 17,1-9
„Hast du schon die Herrlichkeit Gottes gesehen?“
Diese Worte wurden auf einer selbstgezeichneten Postkarte einer jungen
Krankenschwesterkollegin nach ihrem Ableben gefunden. Eine lebensfrohe,
stets gut gelaunte Frau, allen freundlich, offen und herzlich zugewandt.
Manchmal wirkte ihre Art auf mich zu euphorisch.
Ich hatte einige Tage frei. Als ich zurückkam las ich den Aushang: „Gebetsstunde für verstorbene Karin … „. Ich war wie benommen. Das ging nicht in meinen Kopf.
Und doch: Sie hatte sich das Leben genommen. Für alle, die sie kannten, kaum
vorstellbar. Ein lebensbejahender junger Mensch! Wie kann das sein?
Welche Sehnsucht versteckte sich hinter ihrer überfreundlichen Ausstrahlung?
Durch Kontakt zu einer freikirchlichen Gemeinde ließ sie die Begeisterung und
Freude am Glauben, an Jesus Christus spüren.
Mich begleitet die Frage, was ihre Sehnsucht so stark gemacht hat, um selbst
Hinüberschauen zu wollen. Damit verbunden bei ihrer Beerdigung in einem
Video inmitten von Hochhäusern, ihrer Wohnsiedlung, der Text als Frage:
„Gott, wo bist du?“
Eine Suchende mit großer Sehnsucht nach Gott.
„Hast du schon die Herrlichkeit Gottes gesehen?“
„Jesus nahm Petrus, Jakobus und dessen Bruder Johannes beiseite und führte
sie auf einen hohen Berg und er wurde vor ihren Augen verwandelt.“
Diese Jünger allein hatten das Privileg, Jesus in verklärter Gestalt in Herrlichkeit
zu sehen. Dieser Anblick hatte sie verändert.
Wir können es nicht „zur Probe“ einfach so mal ausprobieren.
Und doch möchte der Mensch, möchten wir oft gerne bestätigt wissen, wie es
„drüben“ sein wird. Es bleibt uns verborgen; jedoch die Sehnsucht danach
dürfen wir wachhalten.
Sr. Rosina Sallinger