Bernhard von Clairvaux

aus einer mittelalterlichen Handschrift (c) wikimedia.com (gemeinfrei)
aus einer mittelalterlichen Handschrift
Datum:
Do. 20. Aug. 2026
Von:
Markus Vogt

 

Aus burgundischem Adel um 1090 geboren, trat er 1112 mit dreißig Gleichgesinnten in das Reformkloster Cîteaux ein und belebte die Zisterzienserbewegung neu. Er gründete 1115 Clairvaux, dessen erster Abt er wurde und das zu seinen Lebzeiten 69 Tochtergründungen erlebte. Der Mystiker, Prediger und Politiker kam wiederholt nach Deutschland. Wichtig sind seine theologischen und asketischen Schriften, seine Werbung für den zweiten Kreuzzug und sein Eingreifen im Papstschisma von 1130 bis 1138. Er starb am 20. August 1153 in Clairvaux.

(Quelle: www.schott.erzabteibeuron.de)

...

Bernhards Streit mit Petrus Abaelard gilt als eine der heftigsten theologischen Auseinandersetzungen des 12. Jahrhunderts. Bernhard nannte die spekulativ-diskursive Theologie Abaelards stultilogia (in etwa „Torenlehre“ von lat. stultus = „dumm“, als Subst.: „der Tor“); der Abt von Clairvaux vertrat vielmehr die Theologie der praktischen Aneignung und betenden Verwirklichung. Es hätte eigentlich im Mai 1141 ein öffentliches Streitgespräch zwischen Bernhard und Abaelard vor Bischöfen und Theologen geben sollen, um eine Entscheidung zu finden, aber Bernhard erwirkte schon am Vorabend dieser Disputation eine Verurteilung der Lehrsätze Abaelards durch die anwesenden Bischöfe. Otto von Freising kritisierte als Ordensbruder Bernhards und Schüler Abaelards später das Vorgehen Bernhards, weil der Abt von Clairvaux erbarmungslos gegen Abaelard vorgegangen sei.

...

Bernhards dichterischer Zugang zur Theologie beeinflusst seine Bibelauslegung. Der Seckauer Benediktiner Virgil Redlich erklärte: „Er ist nicht umsonst der Sänger des Hohenliedes, der Theologe des Minnesanges, er legt das Lied der Lieder geistig aus. Das scheint ihm die einzig gültige und wahre Art. Denn er schrieb dem Geist größere Glut zu, als je die Sinne haben können."

...

Mit seinen Predigten entfachte er in ganz Europa einen Sturm der Begeisterung für die Kreuzzüge. Er warb für sie im nördlichen Frankreich, in Flandern, am Rhein und am Main. Die Kreuzzugsidee bezog sich zu Bernhards Zeiten nicht mehr nur auf die Verteidigung Jerusalems und der Kreuzfahrerstaaten, sie wurde nun auf Ziele in Europa erweitert. Bernhards Brief 457 aus dem Jahr 1147, in dem er einen Kreuzzug gegen die Wenden forderte, ist vielleicht der berüchtigtste Aufruf zum religiösen Krieg; Dieter Hehl zufolge gab hier Bernhard „vermutlich als erster dem Gedanken der Gewaltmission einen Platz in der Kreuzzugsgeschichte“.

...

Nicht zuletzt wird Bernhards Verständnis der Ästhetik gerühmt. Er setzte sich für Stilreinheit in der Musik und Architektur ein, wodurch die abendländische Baugeschichte wesentlich beeinflusst wurde. Da alle Kirchenbauten der Zisterzienser dieselben Dimensionen aufweisen sollten, sprach man nach Bernhards Architekturreform von einem Bernhardinischen Plan. Die Schlichtheit der Zisterzienserbauten wird als Baustein des gesamten Reformprogramms gesehen; die Kirchen der ersten Jahrhunderte sind vor allem wegen der Lichtdramatik berühmt. Diese Schlichtheit zielte auf eine verstärkte spirituelle Konzentration ab, die nicht durch äußeren Schmuck abgelenkt werden sollte. Dieses Konzept zeigt sich auch in anderen Bereichen, beispielsweise der Buchausstattung der Zisterzienser.

(Quelle: www.wikipedia.de)